Ressourcengetriebene Kriege: Wenn Gier zu den Waffen greift

Öl, das schwarze Blut des 20. und 21. Jahrhunderts
Vom Irak bis Libyen hat Öl Kriege angeheizt, die als „Friedensmissionen“ oder „Operationen gegen Diktatoren“ getarnt waren. Der Einmarsch in den Irak 2003 wurde mit der Lüge von Massenvernichtungswaffen gerechtfertigt, aber wir alle wissen, was der wahre Preis war: die Kontrolle über eines der größten Ölvorkommen der Welt.
Der ehemalige venezolanische Präsident Hugo Chávez sagte dies im Jahr 2006:
„Öl ist die Waffe der Geopolitik, und wer es kontrolliert, kann der Welt seinen Willen aufzwingen.“
Coltan aus dem Kongo: Mit Blut befleckte Handys
In der Demokratischen Republik Kongo hat Coltan, ein unverzichtbarer Rohstoff für die Herstellung von Handys, Laptops und Spielkonsolen, seit den späten 1990er Jahren bewaffnete Konflikte angeheizt, die Millionen von Toten gefordert haben. Milizen, benachbarte Regierungen und multinationale Konzerne haben Minen in Schützengräben verwandelt.
Der kongolesische Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege verurteilte:
„Unser Land ist ein geologischer Skandal. Wir haben alles, aber dieser Reichtum hat Krieg, Massenvergewaltigungen und unsägliches Leid mit sich gebracht.“
Wasser: Der stille Krieg der Zukunft

Wasser ist zu einer ebenso strategischen Ressource wie Öl geworden. In Regionen wie Südsudan, Äthiopien und Ägypten drohen Streitigkeiten um den Nil großflächige Konflikte auszulösen. Der Bau des Großen Äthiopischen Renaissance-Staudamms belastet die diplomatischen Beziehungen seit über einem Jahrzehnt.
Der südafrikanische Staatschef Nelson Mandela warnte:
„Die Kriege der Zukunft werden nicht um Ideologien geführt werden, sondern um Wasser und Nahrung.“
Diese Warnung hat heute eine besonders starke Bedeutung.
Syrien: Krieg im Gewand der Geopolitik
Der syrische Bürgerkrieg, der 2011 begann, hatte vielfältige interne Ursachen, doch Analysten sind sich einig, dass die Energieinteressen in der Region – Gaspipelines, Ölrouten und die strategische Kontrolle des Nahen Ostens – eine zentrale Rolle im Konflikt spielten. Hinter der Rhetorik von Demokratie und Sicherheit verbarg sich die uralte Gier nach Ressourcen.
Der palästinensische Philosoph Edward Said fasste es so zusammen:
„Der Imperialismus handelt niemals ausschließlich aus Idealen heraus; hinter seiner moralischen Rhetorik stehen immer wirtschaftliche Interessen.“

Afrika: Uran und Gas als Vorwand für Interventionen
Niger, eines der ärmsten Länder der Welt, ist gleichzeitig einer der wichtigsten Uranlieferanten Europas. Frankreich, das diese Minen jahrzehntelang über das Unternehmen Areva (heute Orano) ausbeutete, war für den Betrieb seiner Atomkraftwerke auf dieses Uran angewiesen. Es ist kein Zufall, dass jede politische Krise in Niger die sofortige Aufmerksamkeit der Weltmächte auf sich zieht.
Der burkinische Revolutionär Thomas Sankara verurteilte dies vor seiner Ermordung:
„Die Hände, die um Hilfe greifen, sind dieselben, die unsere Ressourcen stehlen.“
Philosophie der Ressourcenkriegsführung
In all diesen Erzählungen wiederholt sich dasselbe Muster: Natürliche Ressourcen sind kein Quell nationalen Stolzes, sondern vielmehr Vorwände für ausländische Einmischung. Der Globale Süden, reich an Land, Wasser und Bodenschätzen, wird wie ein Lagerhaus behandelt, das man mit vorgehaltener Waffe betreten kann.
Der uruguayische Schriftsteller Eduardo Galeano brachte es auf den Punkt:
„Die Entwicklung einiger Länder wurde durch die Unterentwicklung anderer ermöglicht.“
Abschluss
Ressourcenkriege sind keine Zufälle oder unvermeidliche Konflikte: Sie sind das Ergebnis politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen jener, die bewaffnete Plünderung dem fairen Handel vorziehen. Solange Öl, Coltan, Wasser oder Uran als Kriegsbeute gelten, bleibt der Frieden ein ewig aufgeschobenes Versprechen.
Glossar:
Coltan – kurz für Columbit-Tantalit – ist ein schwarzes, undurchsichtiges Metallmineral, aus dem Tantal gewonnen wird, ein wichtiger Bestandteil der Kondensatoren in Mobiltelefonen und Laptops. Sein Abbau ist einer der Hauptgründe für bewaffnete Konflikte und die Ausbeutung von Menschen in der Demokratischen Republik Kongo.
Der Grand Ethiopian Renaissance Dam (GERD) ist ein massiver Staudamm am Blauen Nil in Äthiopien, der ein Wasserkraftwerk beherbergt. Er wird im Text als Brennpunkt moderner „Wasserkriege“ bezeichnet, da er starke diplomatische Spannungen mit Anrainerstaaten flussabwärts wie Ägypten und Sudan hervorgerufen hat.
Orano (ehemals Areva) – ein französischer multinationaler Konzern, der sich auf Kernenergie spezialisiert hat. Der Artikel erwähnt ihn, um die neokoloniale Beziehung zu verdeutlichen, in der die europäische Kernenergie von Uran abhängt, das aus verarmten Ländern wie Niger abgebaut wird.
Globaler Süden – Ein Begriff zur Bezeichnung von Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die vorwiegend in Afrika, Lateinamerika und den Entwicklungsländern Asiens liegen. In diesem Kontext bezieht er sich auf Nationen, die reich an natürlichen Ressourcen sind, aber historisch gesehen ausländischer Ausbeutung ausgesetzt waren.
Thomas Sankara – burkinischer Offizier und Revolutionär, Präsident von Burkina Faso von 1983 bis 1987. Bekannt als der „afrikanische Che Guevara“, wird er für seine Anklage zitiert, dass ausländische Hilfe oft ein Mechanismus zur Kontrolle von Ressourcen sei.
Massenvernichtungswaffen (MVW) – Atom-, radiologische, chemische oder biologische Waffen. Der Text bezieht sich auf die falschen Geheimdiensterkenntnisse über die Existenz dieser Waffen, die zur Rechtfertigung des Irakkriegs 2003 herangezogen wurden.










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